Datum
03. Dezember 2014
Autor
von Gastautor
Thema
Marketing

Lean Content Marketing

Inhalt-Recycling

Mit vorhandenen Inhalten schlank starten

Content Marketing bedeutet nicht, dass Ihr Unternehmen ab sofort mehr Content produzieren muss. Auch das Recycling von Inhalten schafft Mehrwert für Ihre Kunden.

Viele Unternehmen wissen um die Bedeutung hochwertiger Inhalte für die Marketingkommunikation, scheuen jedoch den Aufwand, der damit verbunden ist. Das betrifft nicht nur Startups und kleinere Unternehmen, sondern jede Firma, in der Marketing mit knappen Ressourcen betrieben wird. Für diese Unternehmen bietet „Lean Content Marketing“ ein Konzept, Content Marketing „schlank“ zu starten und schrittweise zu erweitern.

Lean Content Marketing: Schlank starten und aus Erfahrungen lernen

Lean Content Marketing basiert auf der Idee des „Lean Startup“ Prinzips, das für Produkte und Geschäftsmodelle entwickelt wurde. Dabei geht es darum, mit möglichst geringem Ressourceneinsatz ein Startup zu etablieren bzw. ein neues Produkt zu lancieren. Die Idee ist, so schnell wie möglich am Markt zu starten, um früh Erfahrungen zu sammeln, die dann in die Weiterentwicklung einfließen.

Übertragen auf das Content Marketing bedeutet „Lean“: Man startet Content-Initiativen, bevor sie bis ins letzte Detail durchdacht sind, sammelt Feedback und Daten über die Content-Nutzung aus dem Live-Betrieb und nutzt dieses Wissen dann, um Themen, Formate und Distributionskanäle zu optimieren. So wird die eigene Content-Strategie schrittweise verfeinert.

Beim Lean Content Marketing geht es nicht darum, möglichst „billig“ zu produzieren. Vielmehr sollen vorhandene Ressourcen intelligent eingesetzt werden, um jeden Kontakt mit der Zielgruppe zu einem Erlebnis zu machen. Ein schlanker Ansatz wäre beispielsweise, erst einmal auf bestehende Inhalte zurückzugreifen und diese neu aufzubereiten.

Content Recycling: Vorhandene Ressourcen nutzen

„You don’t have to reinvent the wheel; you just need to share your unique perspective on why the wheel is important“.
(Jon Ball)

Jedes Unternehmen verfügt über Inhalte und Geschichten, die es für die Marketingkommunikation nutzen kann. Auch Ihr Unternehmen produziert sicher regelmäßig hochwertige Inhalte, auch wenn Sie bisher noch nicht gezielt Content Marketing betreiben. Es gibt Präsentationen, die für Kongresse und Schulungszwecke erstellt wurden, Whitepapers, Produktbroschüren oder Anwenderberichte. Oft landen diese Inhalte nach Abschluss eines Projekts in der Schublade, obwohl viel Potenzial in ihnen steckt, das durch intelligentes Recycling ausgeschöpft werden könnte.

Bevor Sie neue Inhalte produzieren, sammeln Sie also zunächst alle vorhandenen Inhalte in Ihrem Unternehmen, um sie für die Marketingkommunikation zu „recyceln“. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Ansätze für die Wiederverwertung:

1) Bestehende Inhalte in ein neues Format bringen:
Aus einem E-Book wird zum Beispiel eine Präsentation für SlideShare, aus einer Präsentation eine Infografik, aus einer Infografik ein Blog-Beitrag, etc. Der Vorteil ist, dass man durch verschiedene Medienformate unterschiedliche Plattformen bedienen kann und so neue Benutzergruppen erreicht.

2) Bestehende Inhalte miteinander kombinieren:
Verschiedene Blogbeiträge lassen sich zum Beispiel zu einem neuen Artikel, einer Präsentation oder einem E-Book zusammenfügen und dabei mit zusätzlichen Informationen anreichern. Bei dieser Recycling-Variante entsteht ein schöner Nebeneffekt: Man kann im neuen Beitrag (Blogartikel, Präsentation etc.) auf den alten Content verlinken und dadurch die interne Linkstruktur verbessern.

Beispiele für die Wiederverwertung von Inhalten

  • Fügen Sie Blogartikel zu einem Whitepaper oder E-Book zusammen. Diese können Sie dann entweder über ein Kontaktformular zum Download anbieten, um neue Leads zu generieren. Oder Sie tauschen die Inhalte gegen eine Empfehlung oder Weiterleitung („Pay with a Tweet“), was für zusätzliche Verbreitung in sozialen Medien sorgt.
  • Erweitern Sie bestehenden Content, indem Sie zum Beispiel aus einem Beitrag eine Serie machen, in der Sie ein Thema schrittweise detaillieren oder thematisch ähnliche Beiträge in einem „List-Post“ zusammenfassen.
  • Erstellen Sie aus vorhandenen Präsentationen schlichte Videos und verbreiten Sie diese über YouTube und Co. PowerPoint bietet eine Funktion, mit der Sie Präsentationen sehr einfach in ein Video konvertieren können.

Wirkung messen

Wichtig ist, dass Sie von Beginn an die Reaktionen Ihrer Zielgruppe analysieren: Wie nimmt sie den Content auf? Wie oft wird er in sozialen Netzwerken geteilt, welche Kommentare werden gepostet? Messen Sie auch die Auswirkungen auf Ihre Business-Ziele: Welche Inhalte machen aus Interessenten verwertbare Leads? Was unterstützt die Kaufentscheidung? Diese Erkenntnisse sollten Sie dann nutzen, um Ihren Content weiter zu verfeinern bzw. gezielter neue Inhalte zu erstellen, die den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechen.

Keine Angst vorm Recycling

Schnell loslegen, experimentieren und recyceln wiederspricht dem Perfektionismus und hohen Anspruch, den wir bisweilen mit uns herumtragen. Doch es lohnt sich gerade für kleinere Unternehmen, beim Einstieg ins Content Marketing zügig und schlank vorzugehen und den strategischen Rahmen schrittweise zu entwickeln, statt sich schon vor dem Start mit einem allumfassenden Gesamtkonzept zu verzetteln und große Content-Vorräte zu produzieren, die vielleicht gar nicht den Nerv der Zielgruppe treffen.

 


Über die Autoren

Sascha Tobias von Hirschfeld und Tanja Josche sind seit 15 Jahren in der Marketingkommunikation tätig. Sascha Tobias von Hirschfeld ist Strategieberater und Geschäftsführer einer Agentur für B2B Content Marketing in Dießen am Ammersee. Tanja Josche arbeitet als freiberufliche Texterin und Journalistin in München.
In Ihrem Praxisleitfaden "LEAN CONTENT MARKETING - Groß denken. Schlank starten." geben von Hirschfeld und Josche praktische Tipps für den Einstieg ins Content Marketing und zeigen, wie dieser auch mit geringen Ressourcen gelingen kann. Der Praxisleitfaden ist als Taschenbuch und als E-Book auf Amazon erhältlich. Informationen und Blog zum Buch unter www.lean-content-marketing.com

 


Bild:
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