Datum
14. Oktober 2014
Autor
von Marion Lewalski
Thema
Social Media

WhatsApp als Marketingkanal im B2B

4.2 von 5 Sterne, 5 Bewertungen
WhatsApp

Eine Nutzenbetrachtung

Medienanbieter und die Konsumgüterwerbung setzen mit WhatsApp auf einen neuen Informationskanal. Bei den Kunden kommt das gut an. Es ist also Zeit, dass sich auch das B2B mit dem mobilen Marketingtrend beschäftigt. Wo liegen Chancen und Risiken von WhatsApp in der geschäftlichen Kommunikation? Welche Einsatzmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven gibt es?

Immer mehr Medienanbieter entdecken den Messaging-Dienst WhatsApp als Distributionskanal für journalistische Inhalte. Vorreiterin war die BBC. Nach ersten erfolgreichen Versuchen nutzt der Rundfunksender die Plattform heute verstärkt für die Verbreitung internationaler Nachrichten. Anstalten wie Channel4 oder das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ziehen nach. Das SRF stellt beispielsweise News zu nationalen Abstimmungen über die App zur Verfügung.

Auch in der Werbung ist WhatsApp angekommen. Im Foodsektor werden erste Kampagnen über den Kanal ausgerollt, mit positiver Response. Die Medienbranche und das B2C profitieren bereits von der Anwendung. Wie aber sieht es im B2B-Marketing aus?

Pros und Contras für den Einsatz im B2B-Marketing

In dieser Frage bietet sich ein Blick auf die Kunden von WhatsApp an: Das System ist in Deutschland unangefochtener Marktführer für mobile Messaging. Der durchschnittliche Anwender ist 16 bis 29 Jahre alt, repräsentiert also nicht den typischen B2B-Entscheider. Allerdings zeichnet sich ein starkes Wachstum der Applikation über alle Altersgruppen hinweg ab. Menschen mit einer Affinität zu Technik und Kommunikation sind besonders offen. Das ist wiederum eine Eigenschaft, die auf viele Führungskräfte zutrifft.

Konsequente Werbefreiheit zählt zu den Stärken von WhatsApp. Die üblichen Klick-mich-Banner und störenden Anzeigen finden sich dort nicht. In der auf Seriosität bedachten Geschäftswelt kommt das bestimmt gut an. Ganz im Gegenteil zu den häufigen Datenschutzproblemen des Systems. In dieser Hinsicht besteht Handlungsbedarf. Das gilt jedoch nicht nur für Facebook, die neue Besitzerin von WhatsApp. Nach Ansicht von Experten gibt es die „sichere“ Messaging App nicht, deshalb gilt: Jeder Anwender – ob privat oder geschäftlich – sollte genau abwägen, welche Daten er dem Dienst anvertraut.

So kann WhatsApp in der Praxis funktionieren

Dass die Kombination Mobile Messaging und B2B-Marketing gelingt, zeigt der Blick nach Asien. WeChat, das chinesische Pendant zu WhatsApp, hat sich dort nicht nur für die Unternehmens-Kommunikation, sondern auch als Vertriebs- und Bezahlkanal etabliert. Allerdings steht China bei der mobilen Webnutzung weltweit auf Platz eins, Anwender in Deutschland sind zurückhaltender. Dennoch lohnt es sich auch hier, WhatsApp als möglichen Touchpoint für B2B-Kunden im Auge zu behalten. Interessante Einsatzmöglichkeiten sind zum Beispiel:

Content-Bereitstellung

B2B-Kunden recherchieren immer häufiger über mobile Geräte. Ein News-Service via WhatsApp bildet dieses veränderte Informationsverhalten ab. Unternehmen können u. a. Nachrichten aus der Branche sowie zu neuen Verfahren, Technologien und Produkten über die Applikation ausrollen. Es empfiehlt sich, der Philosophie von WhatsApp zu folgen: Auf Werbung verzichten und interessanten Content in Kurzform liefern.

Interessenten, die den Service nutzen möchten, melden sich aktiv dazu an. Das geschieht in der Regel durch den Versand einer Textnachricht an die Mobilfunknummer des Anbieters. Je einfacher dieses Verfahren ist, desto geringer die Absprungrate. Apropos Abspringen: Es muss jederzeit möglich sein, den Dienst abzubestellen.

Kundenservice

Als One-to-One-Kanal erfüllt WhatsApp die Anforderung nach individueller Problemlösung im Kundenservice. Die Informationen lassen sich zeit- und ortsunabhängig bereitstellen und um visuelles Material wie Erklärvideos oder grafische Anleitungen ergänzen. Das Mobile Messaging eignet sich zudem für Mitteilungen zum Bearbeitungs- und Lieferstatus eines Auftrags, für Termin- und Reservierungsbestätigungen, Preisauskünfte, Anreisebeschreibungen und ähnliches.

Social Media

Seit Anfang 2014 besteht die Möglichkeit, den WhatsApp-Sharing-Button auf mobile Websites zu integrieren. Ruft ein Nutzer diese Seiten per Smartphone oder Tablet auf, kann er den Inhalt per Klick auf den Button gezielt an ausgewählte Kontakte und Gruppen weiterleiten. Das ist persönlicher und findet beim Empfänger mehr Beachtung als es beim unspezifischen Media Sharing via Facebook und Twitter der Fall ist. Unter Umständen werden auch B2B-Entscheider erreicht, die sonst nichts mit sozialen Netzwerken am Hut haben.

Momentan ist WhatsApp ausschließlich für die private Nutzung ausgelegt. Funktionen für die geschäftliche Anwendung fehlen noch. Das kann sich bald ändern. Schließlich verlaufen die Pilotprojekte zum Einsatz der Messaging-App in Medien und Wirtschaft positiv. Bei weiter wachsender Nachfrage kann man davon ausgehen, dass Facebook die Plattform entsprechend ausbaut.

Fazit

Die Aufnahme von WhatsApp in den Mediamix ist nicht als Sofortmaßnahme anzusehen. Trotzdem ist das Thema für das B2B-Marketing relevant, denn immer mehr Menschen nutzen das Web to go. Spätestens wenn Messaging-Dienste zum geschäftlichen Alltag gehören, sollten auch die Unternehmen in diesen Kanälen präsent sein. Dann empfiehlt sich schnelles Handeln. Denn als erster oder einer der ersten Anbieter genießt man die ungeteilte Aufmerksamkeit der Nutzer und kann sich auf der Plattform positionieren, bevor Mitbewerber nachziehen. Bei der Wahl des Messaging-Kanals gilt: Es muss nicht zwangsläufig WhatsApp sein. Der Markt ist in Bewegung und es lohnt sich, ihn zu beobachten. Eventuell zieht ein Mitbewerber am jetzigen Platzhirsch vorbei oder speziell für das B2B und die eigenen Zielkunden setzt sich anderes System durch.

 


Bildquelle: TARIK KIZILKAYA/istock.com

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Kommentare

4.2 von 5 Sterne, 5 Bewertungen

Webinar zum Thema WhatsApp-Marketing

Hallo Marion, danke für den informativen Artikel. Ich habe extra zum Thema “WhatsApp-Marketing” ein kostenloses Webinar erstellt.

Interessierte können unter folgendem Link teilnehmen: http://www.whatsmarketingsuccess.com

50% Klickrate

Wer eine automatisierte komfortable Lösung sucht, kann sich gerne unsere Lösung einmal ansehen ( https://www.whatsbroadcast.com/de/ ). Generell kann ich sagen, dass einige Kunden Klickraten bei mitgesendeten Links von regelmäßig über 50% einfahren. (Noch) ist WhatsApp ein sensationelles Medium, ist die Frage wie lange das so bleibt.

Antwort auf Software?

Hallo Karsten, hier ist ein interessanter Anwenderbericht der BBC über den Einsatz von WhatsApp als Nachrichtenkanal:
http://www.bbc.co.uk/blogs/collegeofjournalism/entries/b2b67bf8-13ce-3acb-9a29-c9680cc77c9e

Zitat aus dem Anwenderbericht:
"All of the editorial activity - content creation, publication and audience engagement - had to be done via a mobile phone handset. This took a lot more time, although it also seemed to be the platform that offered the most direct engagement with the audience."

Offensichtlich ist es momentan also tatsächlich noch so wie von Dir befürchtet. ;-)
Allerdings kann sich das bald ändern, denn es gibt Hinweise, dass es WhatsApp bald auch als Desktop-Version gibt. Dienste wie WeChat bieten zusätzlich bereits Tools für die Administration an. Damit erleichtert sich die Erstellung und Verteilung von Content natürlich.

Software?

Und mit welcher Technologie (applikation) soll das gehen? Händisch mit  Telefon in der Hand? 

smoope - Service To Go

Sehr spannender Artikel zu einem absolut aktuellen Thema! Wir haben uns diesem Thema im Jahr 2013 gewidmet, um den Instant Message Kanal auch im Unternehmensumfeld zu etablieren. Unser Fokus lag dabei vorallem auf B2C (Service To Go) - dennoch hat sich herausgestellt, das in manchen Konstellationen das Thema auch im B2B-Umfeld relevant sein kann, z.B. leichtere Erreichbarkeit von unterwegs, asynchrone Kommunikation, Dateiversand/-empfang, etc... Genau wie im Falle der sozialen Medien ist es nur eine Frage der Zeit bis das Thema auch auf den geschäftlichen Bereich "überschwappt". Ich hatte heute beispielsweise ein Gespräch mit einem potentiellen Kunden für unsere Lösung, der Fliesen an Handwerker vertreibt. Die Handwerker sind ständig unterwegs und auf Baustellen, weshalb diese Form der Vernetzung und Kommunikation passender ist. Schnell mal ein Bild verschicken und kommentieren, Material nachbestellen oder reklamieren, etc... Das geht alles auf diesem Weg noch etwas einfacher. Ich gebe jedoch dem Vor-Kommentator Recht, dass dieser Kanal nicht (nur) für Marketingzwecke missbraucht werden sollte - dann geht das ganze eher nach hinten los.

Im B2B-Marketing offen für neue Wege sein

Ich sehe durchaus Chancen, dass sich WhatsApp als Marketingkanal durchsetzt (auch im B2B). Immerhin haben erste Experimente ergeben, dass der WhatsApp-Sharing-Button auf mobilen Webseiten häufiger geklickt wird als der Facebook- und der Twitter-Button. Auch in der persönlichen Kundenkommunikation gibt es bereits Pilotprojekte. Und es gab dieses Jahr einen Cannes Lion für eine Kampagne, die stark auf WhatsApp setzt.

Den Vergleich „WhatsApp – SMS“, wie im vorherigen Kommentar dargestellt, finde ich nur bedingt valide. So ist WhatsApp weniger als reiner Benachrichtigungs-Dienst zu sehen, sondern eher im Social-Media-Bereich zu verorten. Weiterhin bietet WhatsApp ein größeres Spektrum an Möglichkeiten wie die Chat-Funktion, die Einbindung von Bild-Dateien oder die Übermittlung von Sprachaufnahmen.

Aber entscheidend ist letztendlich die Akzeptanz der Nutzer. Ich finde das Thema „Messenger-Marketing“ auf jeden Fall spannend und werde es weiterverfolgen.

Unsinn

Wenn dies ein aus Rezipientensicht akzeptierter Kanal wäre, gäbe es heute bereits SMS als B2B-Marketing-Tool. Es ist allgemein bekannt, dass diese "Werbeform" als massiv intrusiv wahrgenommen wird und sich daher nie durchgesetzt hat. Von der Mechanik her wäre Whatsapp identisch.

Twitter erfüllt den individuellen Informationsbedarf des Nutzers bereits hinreichend und das plattformübergreifend und ubiquitär.

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